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offener Brief zur Goldenen Hochzeit

Geschrieben von Werner Becker (Ortsvorsteher) am .

Erdorf 016

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Kandels,

liebe Bitburgerinnen und Bitburger,

am 07.06. diesen Jahres jährt es sich zum 50.mal, dass sich die Gemeinde  Erdorf und die Stadt Bitburg verehelicht haben.

Während es heute bei Eingemeindungen staatlich verordnete „Hochzeitsprämien“ gibt, habt ihr uns in einem Ehevertrag ( Eingemeindungsvertrag)  Verschiedenes versprochen:

„ Die Erschließung und Ansiedlung von Industrie ist im Benehmen mit dem Ortsbeirat ernsthaft zu betreiben.“

 Aber vielleicht habt ihr euch auch bei den Gemarkungsgrenzen vertan, denn das versprochene Industriegebiet liegt jetzt auf der Gemarkung einer Nachbargemeinde. Die gesparten finanziellen Mittel für die Erschließung des Industriegebietes werden wir nunmehr in die Hochwasser- und Starkregenvorsorge investieren.

„ Die Stadt Bitburg verpflichtet sich, den Stadtteil Erdorf in das Raumentwicklungsgebiet der Stadt Bitburg einzubeziehen und auf ein Zusammenwachsen der beiden Ortsteile ernsthaft hinzuwirken.“

 Zumindest in baulicher Sicht ist dieses Zusammenwachsen bisher nicht gelungen und auch nicht ernsthaft betrieben worden. Aber dies ist auch gut so– denn wir sind in Erdorf der einzige Stadtteil von Bitburg, den man vom Rathaus nicht einsehen kann. Somit kann man auch nicht sehen, was wir hier in Erdorf so treiben.

„ Das bisher geltende ungeschriebene Ortsrecht ( Gewohnheitsrecht) bleibt in der bisherigen Übung bestehen.“

 Das ist auch gut so und werden wir auch nach der Goldenen Hochzeit so beibehalten. Nähere Ausführungen erspare ich mir an dieser Stelle – die Stadt Bitburg muss ja nicht alles wissen.

„ Ferner verpflichtet sich die Stadt Bitburg auf dem von der Gemeinde Erdorf ausgewiesenen Gelände  einen Sportplatz anzulegen.“

 Um den Sportplatz mussten wir dann immer noch bis zur Silbernen Hochzeit kämpfen.

Aber ihr habt uns auch einiges genommen z.B. den Bahnhof ( zumindest den Namen und darum ging es letztendlich ) dazu noch die Bahnhofstraße, den Talweg, die Bergstraße und die Hauptstraße und den Müllplatz oberhalb der Kapellenstraße.

Wir Erdorfer sind auch nicht nachtragend aufgrund des Umstandes, dass die Stadtväter im Jahre 1865 einen Bahnhof Bitburg-Metterich wünschten.

Ohne den Erdorfer Bahnhof wäre Bitburg heute ein Schienenniemandsland.

Und den damaligen Bitburger Bahnhof habt ihr auch nur deswegen bekommen, weil wir Erdorfer im Jahre 1906 die Kyll umgelegt haben für eine Eisenbahnstrecke von „untergeordneter Bedeutung“ (  Zitat der Königlichen Eisenbahndirektion aus dem Jahre 1886) .

Selbst das ehrwürdige Gäßestrepperfest könntet ihr nicht ausrichten, wenn wir euch nicht an die Kyll ließen – die Patres und alle Bitburgerinnen und Bitburger sind uns aber jedes Jahr herzlich willkommen.

Aber ihr wollt ja noch mehr: den Kylltalradweg wollt ihr uns auch noch nehmen. Die Kyll werden wir aber nicht nochmals verlegen.

Da ihr in Bitburg keinen Schienenverkehr mehr habt, haben wir Erdorfer auch schon eine Idee:  Entlang des neuen Kylltalradweges über die Bitburger Kernstadt wird eine neue Schienentrasse zur Entlastung des Güterverkehrs am Mittelrheintal  verlegt.

„ Die aufnehmende Stadt Bitburg setzt sich dafür ein, dass der bisherige Jagdbezirk Erdorf unverändert  bestehen bleibt. Soweit die Jagdgenossenschaft Erdorf der Stadt Bitburg ihre Rechte und Pflichten überträgt, werden diese Aufgaben vom Stadtrat wahrgenommen.“

Wir legen schon Wert auf eine eigenständige Jagdgenossenschaft – und wollen unsere Wildschweine  nicht missen – die „Füchse“ laufen auf der Matzener Gemarkung rum. Aber wenn der Stadtrat einmal die Aufgaben übernimmt und auf der Erdorfer Gemarkung herumläuft, dann gehen wir besser in Deckung.

Lieber Herr Kandels, liebe Bitburgerinnen und Bitburger,

wir gratulieren euch zur Goldenen Hochzeit und wenn ihr ehrlich seid – ohne Erdorf ( und die anderen Stadtteile ) wäret ihr ganz schön arm dran. 

  

Erdorf- Bitburg, den 27.05.2019

Werner Becker

Ortsvorsteher